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Wildschwein im Visier  - Süddeutsche Zeitung

Von Philipp Schmitt, Lengdorf                1. März 2015, 18:12

Die Zahl der Wildsäue hat bedrohliche Dimensionen angenommen. Um die steigende Population einzudämmen, wird womöglich bald nachts Jagd auf Schwarzwild gemacht. Für den Vorsitzenden des Kreisjagdverbands ist "Akzeptanz in der Bevölkerung" aber die wesentliche Voraussetzung. 

Die Jäger im Landkreis beschäftigt derzeit vor allem ein Thema: Wildschweine sind inzwischen flächendeckend überall im Landkreis zu finden - und fühlen sich hier sauwohl. Aufgrund des Klimawandels und durch veränderte Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen breitet sich das Schwarzwild immer weiter aus. Erntereste beim Körnermais und Laubbäume bieten Futter und durch mildere Winter steigen die Überlebenschancen der Frischlinge. "Die Tiere leben hier bei uns wie im Schlaraffenland", sagte Thomas Schreder, der Vorsitzende des Kreisjagdverbands (KJV) bei der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Menzinger in Lengdorf: "Wir müssen an die Ursachen rangehen und die Ausbreitung der Population eindämmen."

Wie viele Wildschweine im Landkreis von Jägern im vergangegen Jahr zur Strecke gebracht wurden, sei noch nicht bekannt, sagte Schreder. Er gehe jedoch davon aus, dass es mehr als die 110 im Jahr 2013 erlegten Wildschweine waren. Im Vergleich mit anderen Landkreisen seien die Abschusszahlen gleichwohl relativ gering. Im Landkreis Erding müsse deshalb über weitere Maßnahmen nachgedacht werden: "Denn solange sich an den Ursachen nichts ändert, wird immer mehr Schwarzwild nachkommen".

Eine Möglichkeit wäre, Bejagungsschneisen in Maisflächen angelegt und revierübergreifende Jagden in stark betroffenen Bereichen zu organisieren. Diskutiert werden müsse aber auch, ob die Wildsäue nachts bejagt werden sollten. Wobei der Einsatz von Nachtsichtzielgeräten nicht nur aus juristischer Sicht umstritten ist: "Ob Nachtzielgeräte in Problemregionen erlaubt werden sollen, um Schwarzwild zu bejagen, ist noch nicht klar. Es gibt noch viele offene Fragen." Schreder sprach einige an: Wo und unter welchen Sicherheitsvorkehrungen werden die Geräte gelagert? Wie kann sichergestellt werden, dass Nachtsichtzielgeräte nicht in falsche Hände geraten und nur für Jagd auf Schwarzwild genutzt werden? Ungeklärt seien zudem "Verdrägungseffekte" und die durch Nachtjagd entstehenden Schäden. "Wir wissen nicht genau, wie sich Nachtjagden auf das Verhalten des Schwarzwildes und anderer Wildarten auswirken würden", so Schreder. Noch sei zudem offen, wie die Nachtzielgeräte beschafft und finanziert werden sollen und wie der Landtag im Hinblick auf Ausnahmegenehmigungen entscheiden werde. Schreder wies darauf hin, dass die Jäger mit der Thematik ?sensibel umgehen müssen. Es sei der Bevölkerung nicht einfach zu vermitteln, wenn Jäger künftig Tag und Nacht Schwarzwild jagen würden: "Die Nachtjagd muss auch vor der Bevölkerung zu rechtfertigen sein, wir brauchen Akzeptanz." Wichtig sei zudem, dass die Jäger den sicheren Umgang mit ihrer Jagdwaffe permanent üben.

Schreder sagte auch, dass er umstrittene Fangmethoden wie Saufanggitter aus Gründen des Tierschutzes ablehne. Er wies jedoch darauf hin, dass die Zunahme der Wildschwein-Population selten gewordene Tierarten wie Rebhühner und Fasane weiter aus dem Landkreis verdränge.

Ganz generell forderte Schreder im Kontext mit einem gesunden und artenreichen Wald als Lebensraum der Wildtiere eine gute Zusammenarbeit zwischen Jägern, Waldbesitzern und Landwirten. Der KJV wolle durch offensive Öffentlichkeitsarbeit und Präsenz in den Medien, seine Mitgliederzeitschrift und die Homepage www.jagd-erding.de weiter Akzeptanz schaffen und darauf hinweisen, dass "Jagen nicht nur das Erlegen von Wild ist, sondern mit Verantwortung für die Natur und Artenschutz zu tun hat".

"Die Jagd hat im Landkreis ein hohes Ansehen, wir müssen der Bevölkerung nahe bringen, was Jagd bedeutet", sagte auch Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). Er würdigte die "erfolgreiche Arbeit" des KJV-Vorsitzenden Schreder und dessen Teams. Schreder und der zweite Vorsitzende des Kreisjagdverbands, Klaus Hildebrandt, wurden mit großen Mehrheiten bei den turnusmäßigen Neuwahlen an der Spitze des KJV bestätigt: "Für uns ist das ein Ansporn", sagte Schreder, "wir wollen die Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung weiter festigen - ich freue mich auf die nächsten drei Jahre."


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