Kreisjagdverband Erding e.V.
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Hubertusgedanken im Kreisjagdverband Erding e.V. zum 3. November 2012

 „Hilferuf des Wildes!“ ist eine ernstzunehmende Warnung. Doch warum klagt unser Wild? Weil unsere Wildtiere zunehmend als Schädlinge stigmatisiert werden. Alles dreht sich nur noch um die Verhinderung von Schäden in der Land- und Forstwirtschaft. Weil ihnen immer weniger Lebensraum zur Verfügung steht und leider auch zugestanden wird. Doch das kann und soll nicht so weiter gehen! Vielmehr ist es Zeit für einen neuen Umgang mit unserem Wild. Ein Perspektivenwechsel ist notwendig. Wild ist kein Schädling, sondern eine Bereicherung unserer heimischen Fluren! Jagd ist kein bloßes Totschießen, sondern ist neben der nachhaltigen Nutzung echtes und uraltes Handwerk und unzertrennlich mit der Hege und Sorge um das Wild verbunden!

Nach dem Bundesjagdgesetz ist mit dem Jagdrecht die Pflicht zur Hege verbunden.  § 1 Abs. (2) Bundesjagdgesetz bestimmt daher, „die Hege hat zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen (…) Die Hege muss so durchgeführt werden, dass Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, möglichst vermieden werden.“

Hege kann insofern nach heutiger Formulierung als „Wildtiermanagement“ begriffen werden. Da unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden müssen, ganz besonders auch die des Wildes. Denn es kann für sich selbst nicht Partei ergreifen. Jagd bedeutet in diesem Zusammenhang Anwaltschaft für unser heimisches Wild zu übernehmen, das auf unsere Hilfe angewiesen ist. Intelligente und tierschutzgerechte Managementkonzepte für Wildtiere sind deshalb die Hege von Morgen und Garanten für eine waidgerechte Jagd!

Die Jagd bleibt dabei aber in erster Linie eine eigenständige Form der Landnutzung. Genauso wie ein Imker, Landwirt, Fischer oder Schäfer hat der Jäger ein natürliches Interesse, sein Handwerk zu betreiben, das von der nachhaltigen Wertschöpfung aus natürlichen Ressourcen lebt. Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist dabei ein zentraler Punkt. Kein verantwortungsvoller Jäger wird die Wildbestände in seinem Revier gefährden und daher nur so viel nutzen wie die Population vertragen kann. Das Jagdhandwerk ist zudem in Bayern und im Landkreis Erding traditionell tief verwurzelt und ein fester Bestandteil unserer Heimat und Kultur seit vielen Jahrhunderten. Die Chronik des Kreisjagdverbandes Erding dokumentiert diese Tradition in eindrucksvoller Weise. Das Jagdhandwerk ist als kulturelles Erbe zu betrachten und in seinem Fortbestehen weiter zu fördern. Der Freistaat Bayern schützt gemäß Art. 3 Abs. (2) seiner Verfassung i. V. m. Art. 2 Abs. (1) Bayerisches Jagdgesetz die Jagd als Kulturgut.

Wildtiere gehören zu unserer Artenvielfalt (Biodiversität) und zum gesamten Ökosystem. Unsere Heimat hat ihre einzigartige, spezielle „Flora und Fauna“ und Wildtiere sind dabei als Ureinwohner ein unschätzbarer und wichtiger Bestandteil, auch der Landeskultur. Art. 1 Abs. 1 des Bayerischen Jagdgesetzes formuliert dazu: „Die freilebende Tierwelt ist wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Sie ist als Teil des natürlichen Wirkungsgefüges in ihrer Vielfalt zu bewahren.“ Die Jäger im Landkreis Erding haben diesen Auftrag schon seit langem aufgenommen und umgesetzt und sind mit ihrem Engagement entscheidend dafür verantwortlich, dass viele Tierarten überhaupt noch anzutreffen sind. Aber es wird immer schwieriger etwas für unser Wild zu tun. Auch künftige Generationen sollen unsere Wildtiere kennen und schätzen lernen können. Langfristige und nachhaltige Konzepte im Umgang mit unseren Wildtieren und ihrem Lebensraum sind daher stetig fortzuentwickeln.

In unserer dichtbesiedelten und stark genutzten Kulturlandschaft sind artgerechte Lebensräume für unsere Wildtiere von existenzsichernder Bedeutung. Wildtiere brauchen Rückzugsgebiete in denen Ruhe und Sicherheit herrscht, Flächen auf denen sie Nahrung finden und vor allem vernetzte Lebensräume, die ihre natürlichen Verhaltensmuster berücksichtigen können. Es ist Aufgabe von und Jägern zusammen mit den Grundeigentümern dafür zu sorgen. Diese Voraussetzungen sind Grundbedingungen für angepasste, artenreiche und gesunde Wildbestände (Populationen).

Diese Hubertusgedanken sollen auf etwas Wichtiges hinweisen. Sie sollen darauf aufmerksam machen, dass unser Wild ein Teil der Schöpfung ist und dementsprechend behandelt werden soll. Der Mensch steht dabei in besonderer Verantwortung. Wird die Jagd waidgerecht ausgeübt, ist sie neben ihrem Wesen einer nachhaltigen und umweltschonenden Landnutzung und Lebensmittelbeschaffung auch Passion, Naturschutz, Hege (Wildtiermanagement), Förderung der Artenvielfalt und vielgestaltiger Lebensräume. Der Mensch steht in der Verantwortung, auch für seine Nachwelt Sorge zu tragen, dies gelingt jedoch nur, wenn er erkennt, wie gefragt sein Engagement ist.

 

Mit freundlichen Grüßen und Waidmannsheil
 
Thomas Schreder


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